Frühjahrstränke für Bienen: Wie man eine Katastrophe verhindert und die richtige Bienentränke auswählt
Hallo Imker-Freunde! Das Bienenjahr nimmt langsam, aber sicher Fahrt auf. Auch wenn es draußen noch nicht danach aussieht und das Wetter oft verrücktspielt, gehen im Inneren der Beute bereits gewaltige Veränderungen vor sich. Die Königinnen gehen oft schon Ende Januar oder Anfang Februar in Brut, und mit jedem Tag und jeder wachsenden Brutzelle steigt ein kritisches Bedürfnis des Bienenvolkes rasant an: der Wasserbedarf.
Heute schauen wir uns im Detail an, was genau mit dem Wasser im Bienenstock passiert, warum das rechtzeitige Aufstellen einer Bienentränke buchstäblich eine Frage des Überlebens ist und nach welchen technischen Kriterien man die richtige Tränke auswählt.
Was passiert eigentlich im Bienenstock und warum brauchen sie so viel Wasser?
Vielleicht denkst du dir: Die Bienen finden ihr Wasser schon selbst. Ja, das tun sie. Aber bis es soweit ist, sind sie enormem Stress ausgesetzt. Ein Bienenvolk verbraucht im Frühjahr durchschnittlich bis zu 0,5 Liter Wasser täglich (im Jahr sind es unglaubliche 150 Liter!). Wofür brauchen sie in dieser Zeit so viel Wasser?
✓ Verdünnung des Winterfutters: Bienen müssen die dicken Honig- oder Zuckervorräte auflösen, um daraus Nahrung aufzubereiten.
✓ Brut füttern: Der Futtersaft für die Larven besteht zu 60 % aus Wasser. Ohne Wasser geht es einfach nicht und die Entwicklung des Volkes stagnieren.
✓ Klimatisierung der Beute: Wasser dient der Aufrechterhaltung der optimalen Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Droht die Brut zu überhitzen, hängen die Bienen winzige Wassertröpfchen an die obere Zellwand, die verdunsten und den Raum kühlen. Ebenso kann die Biene durch Verdunstung eines Tropfens auf der Zunge ihre eigene Hämolymphe abkühlen.
Faszinierend ist, dass Bienen Wasser nicht wie Honig oder Pollen in den Waben speichern. Sie funktionieren anders: Die Wasserträgerinnen (Sammelbienen) bringen das Wasser und übergeben es am Flugloch den Ammenbienen. Diese Jungbienen mit voller Honigblase dienen dann buchstäblich als "lebende Wassertanks" – sie setzen sich in die Nähe der Brut und warten darauf, dass die Füttererbienen das Wasser verbrauchen.
Das riesige Problem, das wir nicht sehen
Diesen Kreislauf bei typischem Frühjahrswetter aufrechtzuerhalten, ist extrem gefährlich. Draußen ist es kalt, windig und es gibt wenig Sonne. Die Wasserträgerinnen, die ausfliegen, verklammen schnell und sterben.
Sobald sie verzweifelt sind, suchen sie mit ihren Fühlern nach jeder noch so kleinen Feuchtigkeitsquelle in der Umgebung. Bienen können den Gradienten von Wasserdampf perfekt wahrnehmen. Was noch schlimmer ist: Sie bevorzugen leicht salziges Wasser gegenüber sauberem Trinkwasser. Deshalb fliegen sie so gerne schmutzige Pfützen, Misthaufen (wo sie der Harnstoff anlockt) oder den Beckenrand des Nachbarn an.
Wenn sie sich erst einmal auf eine solche Quelle fixiert haben, kannst du das als Imker nicht mehr kontrollieren. Du riskierst gesundheitliche Probleme im Volk durch kontaminiertes Wasser und natürlich auch Ärger mit den Nachbarn. Deshalb muss die Bienentränke gleich zu Beginn des Frühjahrs bereitstehen, damit sie sich an deine hundertprozentig saubere Wasserquelle gewöhnen.
Die Lösung: Wasser und Sirup sicher und unter Kontrolle
Das Wichtigste ist, die Bienen von Anfang an an unsere Wasserquelle zu gewöhnen. Nach ihren technischen Spezifikationen und Einsatzgebieten teilen wir sie in zwei Hauptgruppen ein. Hier sind die grundlegenden Unterschiede:
1. Fluglochtränken
Diese Tränken werden ganz einfach direkt in das Flugloch geschoben. Die Bienen haben das Wasser also direkt im "Wohnzimmer" und müssen an nasskalten Tagen gar nicht erst in die Kälte hinausfliegen.
✓ Auswahl nach Fluglochhöhe: Jeder Imker hat einen etwas anderen Boden. Fluglochtränken wählt man daher in erster Linie nach der Höhe des Fluglochs aus. Bei jedem Produkt ist die genaue Dicke angegeben – einfach nachmessen und die passende Tränke auswählen.
✓ Reizfütterung mit Sirup: Im Frühjahr sind diese Tränken nicht nur für Wasser, sondern auch für die Reizfütterung mit Invertzuckersirup genial. So hilfst du dem Volk in Momenten, in denen es nicht zur ersten Tracht ausfliegen kann.
✓ Technische Regel Nr. 1 (Flaschen): Wenn du Varianten für Flaschen verwendest, wähle immer Hartplastik (z. B. von Sirupflaschen) oder klassisches Glas. Eine weiche PET-Flasche neigt dazu, sich durch Unterdruck und Temperaturschwankungen zusammenzuziehen, wodurch die Flüssigkeit unkontrolliert in die Beute ausläuft.
✓ Technische Regel Nr. 2 (Waagerecht): Die Tränke muss absolut waagerecht stehen. Wenn die Beute geneigt ist, läuft das Wasser von selbst hinein.
✓ Kritische Regel (Achtung im Herbst!): Füttere Sirup über das Flugloch ausschließlich im Frühjahr! Würdest du eine Fluglochtränke mit Sirup nach der Saison im Herbst verwenden, würde der süße Geruch direkt am Flugloch fast mit Sicherheit eine massive Räuberei auslösen. Für die Herbstauffütterung gehören klassische Futterzargen oder Futtertaschen in die Beute.
2. Freilandtränken / Außentränken
Wenn das Wetter stabiler und die Tage wärmer werden und du die Wasserversorgung für den gesamten Bienenstand zentral lösen möchtest, kommen die Freilandtränken zum Einsatz. Sie stellen sicher, dass Wasser auch dann verfügbar ist, wenn der Nektareintrag (der das Wasser teilweise ersetzt) nachlässt.
✓ Auswahl nach Volumen und Völkerzahl: Die Auswahl richtet sich logischerweise danach, wie viele Völker du hältst. Bei einem großen Bienenstand kannst du problemlos mehrere große Tränken aufstellen.
✓ Schutz vor dem Ertrinken: Lege unbedingt Glassteine oder Murmeln in die äußere Rinne. Darauf können die Bienen sicher landen und laufen, ohne bei einem höheren Wasserstand zu ertrinken.
✓ Der richtige Standort: Aus fachlicher und praktischer Sicht wird eine Freilandtränke mindestens 3 Meter von den Beuten entfernt aufgestellt. Suche einen sonnigen und warmen Platz für sie. Achte jedoch auf eine Sache: Stelle sie niemals direkt in die Hauptflugbahn der Bienen. So verhinderst du, dass die Bienen das Wasser während der massenhaften Reinigungsflüge im Frühjahr mit Kot verunreinigen.
Die Natur ist zwar stark, aber das heutige unberechenbare Wetter erfordert, dass wir den Bienen ein wenig unter die Arme greifen. Lass nicht zu, dass sie für einen Tropfen schmutziges Wasser ihr Leben riskieren und sichere ihnen einen sauberen Start in die Saison!